Preisanstieg und lokale Engpässe: Bauern klagen über Treibstoffprobleme mitten in der Aussaat

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Preisanstieg und lokale Engpässe: Bauern klagen über Treibstoffprobleme
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Führende Landwirte äussern sich besorgt über steigende Treibstoffpreise und sogar Engpässe mitten in der Aussaat. Die von der "Rossijskaja Gaseta" befragten Experten gehen jedoch davon aus, dass es sich derzeit noch nicht um einen systemischen Treibstoffmangel handelt, sondern um eine Kombination aus saisonaler Nachfrage, logistischen Einschränkungen und den Folgen einer reduzierten Auslastung der Raffineriekapazitäten.
Nach Schätzung des Verbandes "Narodny Fermer" (Volkslandwirt) sind die Treibstoffpreise für Landwirte in den letzten zwei Monaten um rund 35 % gestiegen. Der geschäftsführende Direktor des Verbandes, Stanislaw Sankeew, erklärte gegenüber der "Rossijskaja Gaseta", dass die schwierige Treibstoffsituation derzeit im ganzen Land zu beobachten sei.

"Beispielsweise berichten unsere Kollegen in den Föderationskreisen Wolga und Zentralrussland, dass die Preise bei 87 Rubel pro Liter beginnen, wobei Diesel nicht sofort verfügbar ist – die Wartezeit beträgt bis zu vier Tage", so seine Worte.

Konkret wird Diesel in Mari El derzeit ab 88 Rubel pro Liter verkauft, in den Gebieten Uljanowsk und Samara ab 89 Rubel pro Liter, in den Gebieten Belgorod und Brjansk bei rund 90 Rubel pro Liter.

Für Betriebe, die unter hoher Kreditbelastung und steigenden Produktionskosten arbeiten, wird selbst eine solche Verteuerung zu einem spürbaren Faktor.

In den letzten zwei Monaten verteuerte sich der Treibstoff für die Landwirte um etwa ein Drittel. Dabei ist Diesel nicht immer sofort erhältlich.

Besonders stark trifft der Preisanstieg kleinere Betriebe. Grosse Agrarholdings haben oft die Möglichkeit, langfristige Verträge abzuschliessen, Treibstoffvorräte frühzeitig anzulegen oder günstigere Einkaufskonditionen zu nutzen. Für Landwirte und mittlere Agrarunternehmen sind die Handlungsspielräume deutlich begrenzter.

Dabei beschränkt sich die Auswirkung der Treibstoffverteuerung nicht nur auf die zusätzlichen Kosten für die Feldarbeit. Diesel bleibt ein Schlüsselelement der Transportkosten, weshalb der Preisanstieg auch die Logistik von Agrarprodukten betrifft. Je höher die Kosten für den Transport von Rohstoffen und Fertigprodukten, desto stärker der Druck auf die gesamte Produktionskette.

Die Branchenvertreter neigen jedoch nicht dazu, die Situation zu dramatisieren. Der geschäftsführende Direktor des Kartoffelverbandes, Alexej Krassilnikow, räumt zwar Probleme bei der Treibstoffversorgung in einzelnen Regionen ein, hält diese jedoch für lösbar. Bei Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit in einer Region werde Treibstoff umgehend aus benachbarten Gebieten herbeigeschafft. Laut Krassilnikow machen die Transportkosten zudem nur etwa 5 % der Gesamtkosten aus, sodass selbst eine deutliche Treibstoffverteuerung nicht zwingend zu einem signifikanten Preisanstieg bei Gemüse und Kartoffeln im Regal führe. Viel gravierender wirke sich die aktuelle Situation direkt auf die Produzenten aus.

Betrachtet man die Preisentwicklung an der Börse, so sind die Notierungen für Dieselkraftstoff (DK) – dem Haupttreibstoff für landwirtschaftliche Arbeiten – im europäischen Teil Russlands seit Anfang März um 19 % gestiegen, bei ausserbörslichen Geschäften um 17 %. Dies ist jedoch nur ein Durchschnittswert; der europäische Teil Russlands ist gross, und insbesondere kleine und mittlere Agrarunternehmen kaufen Treibstoff in der Regel auf lokalen Tanklagern und nicht bei grossen Händlern.

Wie der stellvertretende Vorsitzende des Duma-Ausschusses für Energie, Juri Stankewitsch, im Gespräch mit der "Rossijskaja Gaseta" bemerkte, kann der Preisanstieg im Grosshandel höher ausfallen als die Dynamik der Börsenindizes. Nicht die gesamte Treibstoffmenge werde über die Börse verkauft – ein erheblicher Teil werde ausserbörslich gehandelt, und in den Preis für den Endlandwirt würden Logistik, Lagerung und die Kreditbelastung der Händler einkalkuliert. Bei der Erwartung weiter steigender Preise und eines geringeren Treibstoffangebots könnten die Marktteilnehmer einen "Risikoaufschlag" einpreisen.

Die Frühjahrsfeldarbeit führt traditionell zu einem Spitzenverbrauch an Diesel. Landesweit besteht jedoch kein Treibstoffmangel, davon sind die Experten überzeugt.

Das Problem der Preissteigerungen im Kleingrosshandelssegment, das in der Statistik der Petersburger Börse nicht erfasst wird, wurde von der Branche bereits im letzten Herbst während des Benzinpreisanstiegs thematisiert. Zudem ist der Umstand äusserst alarmierend, dass die Absatzmengen von DK an der Börse im Vergleich zum Mai des Vorjahres stark zurückgegangen sind – um 80 % (von 1,1 Mio. auf 0,61 Mio. Tonnen). Und das, obwohl es im Mai dieses Jahres einen zusätzlichen Handelstag gab.

Laut Stankewitsch ist der Anstieg der Grosshandelspreise für Treibstoff für Landwirte und lokale Engpässe das Ergebnis einer Kombination mehrerer Faktoren. Den grössten Einfluss hätten saisonale Nachfrage und Logistik. Die Frühjahrsfeldarbeit erzeuge traditionsgemäss einen Nachfragepeak nach DK. In den südlichen Regionen sei die Belastung der Infrastruktur höher als im Landesdurchschnitt: Die Nachfrage konzentriere sich auf einen kurzen Zeitraum, während die logistischen Kapazitäten (Bahn, Tanklager, Fuhrpark) begrenzt seien. Selbst bei ausreichender Gesamtproduktion entstünden lokale "Engpässe", die zu vorübergehenden Defiziten führten. Die Situation werde heute durch die anhaltenden Angriffe auf Raffinerien und Lagerinfrastruktur (Tanklager und Treibstofflager) verschärft.

Nach Angaben von Rosstat sank die Produktion von Koks und Erdölprodukten im Land im April dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 % und im Vergleich zum März um 11,3 %. Statistiken zu den Produktionsmengen nach Treibstoffarten sind nicht verfügbar, und die zusammenfassenden Daten für Mai wurden noch nicht veröffentlicht. Der Energieexperte Kirill Rodionow ist der Ansicht, dass der Rückgang im April eine Fortsetzung des Trends des ersten Quartals 2026 sei, als das Volumen der primären Erdölverarbeitung im Land im Jahresvergleich um 1,6 % (auf 64,1 Mio. Tonnen) und die Produktion von Autobenzin und Diesel um 4,8 % (auf 10,8 Mio. Tonnen) bzw. 0,6 % (auf 21,4 Mio. Tonnen) zurückging.

Landesweit gibt es jedoch keinen Treibstoffmangel, da sind sich die Experten sicher. Es gehe um Versorgungsunterbrechungen in einigen Regionen. Wie der geschäftsführende Partner von NEFT Research, Sergej Frolow, anmerkt, seien lokale Engpässe und Preissteigerungen auf physische Treibstoffdefizite in den südlichen Regionen zurückzuführen, die durch Angriffe auf Raffinerien verursacht wurden, sowie auf die dadurch gestörte Logistik. Die benötigte Treibstoffmenge könne man kaufen, das Problem sei jedoch der unbeschadete Transport zum Bestimmungsort.

Eine ähnliche Sichtweise vertritt der Generaldirektor von Open Oil Market, Sergej Tereschkin: Ausserplanmässige Reparaturen in den Raffinerien hätten zu einer Hysterie auf dem Markt geführt. Sobald sich die Auslastungssituation der Raffinerien kläre, würden die Preise voraussichtlich wieder sinken.

Allerdings sollte man die gesamte Schuld nicht allein der schwierigen Situation auf dem Treibstoffmarkt zuschieben. Nach Ansicht des stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats des Verbandes "Nadeschny Partner" (Zuverlässiger Partner), Mitglied des Expertenrates des Wettbewerbs "Tankstellen Russlands", Dmitrij Gussew, sei es erstaunlich, dass die Landwirte jedes Jahr im Frühjahr über den Preisanstieg bei Treibstoff empört seien. Die Preisdynamik im Jahresverlauf sei allgemein bekannt, insbesondere für Menschen, deren Geschäftserfolg davon abhänge. Man könne Treibstoff vorab kaufen, wenn die Preise keine Rekorde brechen. Man könne Risiken absichern – etwa mit einer spezialisierten Agrarbank vereinbaren, den Treibstoffkauf in der Schwachphase, im Winter, zu finanzieren.

Dagegen lässt sich einwenden, dass der vorzeitige Treibstoffkauf nur grossen Agrarunternehmen möglich sei. Mittlere Unternehmen und Kleinbauern hätten kaum die technischen und finanziellen Möglichkeiten, Vorräte im Voraus anzulegen. Was Kredite betreffe, so sei selbst ein Kredit zu Vorzugsbedingungen für grosse Unternehmen für den Treibstoffkauf derzeit eine ernste finanzielle Belastung. Andererseits hätten die Akteure des privaten Agrarsektors in fast 40 Jahren ihrer Tätigkeit lernen können, sich auf die jährliche Frühjahrsverteuerung von DK vorzubereiten.

Das Energieministerium lehnte auf Anfrage der "Rossijskaja Gaseta" eine Stellungnahme ab. Das Landwirtschaftsministerium hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Kommentare bereitgestellt.

Quelle: RG.RU

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